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Presse

Die Linie hat sich emanzipiert

Die Linie hat sich emanzipiert

 

Das St. Galler Gestaltungsbüro TGG Hafen Senn Stieger hat gestern in Porto für seine Saisonkampagne für Konzert und Theater St. Gallen den European Design Award erhalten. Der Preis würdigt ein Konzept der absoluten visuellen Reduktion.

Es war einmal eine Linie. Fein, weiss und senkrecht stand sie da, vor Bildern oder unifarbenem Hintergrund, neben dicken Buchstaben. Die perfekte Begleiterin, diskret und zurückhaltend. Wer nicht genau hinsah, nahm sie nicht einmal wahr. Eines Tages aber hatte die Linie genug davon, nur reglos dabei zu sein auf den Plakaten, die Musik, Tanz und Theater ankündigten.

Also begann sie sich selber in Szene zu setzen. Sie plusterte sich auf und verbündete sich mit den Buchstaben. Sie vervielfältigte sich und wurde zu einem richtigen Muster. Sie drehte sich, wand sich und begann zu tanzen. Das ist das Märchen von der Linie, die gross heraus kam. Das Märchen von der quicklebendigen Linie, die am Rande Europas in einen Goldregen geriet.

Jahrelange fruchtbare Zusammenarbeit
Der gestrige Abend aber zeigt nun: Das ist gar kein Märchen. Mit den Plakaten für die lauf ende Spielzeit von Konzert und Theater St. Gallen gewann TGG Hafen Senn Stieger in Porto den Europaen Design Award in der Kategorie «Posterserien». Es ist ein weiteres erfolgreiches Kapitel für das St. Galler Gestaltungsbüro. Ein weiterer Beleg für dessen fruchtbare Zusammenarbeit mit Konzert und Theater St. Gallen, die in den frühen 90er Jahren mit der Gestaltung des Kulturmagazins «Terzett» durch das gerade von Dominik Hafen, Bernhard Senn und Roland Stieger gegründete Büro begonnen hatte.

In früheren Saisonkampagnen hatte TGG mit Fotosujets aus Theaterproduktionen gearbeitet. Ein wichtiges Element war dabei eine feine weisse Linie in der Typografie. Sie blieb es auch, als die Theaterleitung den Auftrag gab, neue Wege zu gehen. «Die feine weisse Linie war uns wichtig», sagt Dominik Hafen. In der Entwicklung des Konzepts für die Spielzeit 2016/17 habe man deshalb möglichst nahe dran bleiben, gleichzeitig aber eine Aussage machen und einen Bezug zum betreffenden Stück herstellen wollen. Die Lösung war, der Linie Leben einzuhauchen. Sie wurde zum dicken Pfosten, der zusammen mit dem Wort «Hamlet» ein Kreuz bildet. In «Le nozze di Figaro» symbolisieren quer gekreuzte Linien ein Mieder.

«Im Familien-und Kinder­stück <Peter Pan> geht es verspielter zu und her, da wird die Linie zur Flugbahn», erläutert TGG­­­-Gestalter Matthias Christ. Das Plakat für «Das Schweigen der Schweiz» zeigt zwei gekreuzte Balken, sie können als gedrehtes Schweizer Kreuz gesehen werden, aber auch als Symbol für einen Giftschrank oder für «Mund halten», wie Christ ausführt. Bei «Orfeo ed Euridice» liegt die Linie waagrecht zwischen den beiden Namen, als Trennstrich zur Unterwelt.

Eine Theatersaison in Piktogrammen
«Wir haben bewusst einfache und fast banale Motive ausgewählt, die die einzelnen Stücke in grösstmöglicher Reduktion repräsentieren», sagt Hafen. Dabei bleibe aber auch Raum für Interpretationen. Die geschwungene Linie im «Lohengrin»-Plakat könne ebenso als Schwanenhals wie als Flusslauf gesehen werden. Mit der konsequenten grafischen Reduktion haben die TGG-Gestalter eine Art Piktogramm-System geschaffen, das durch die Produktionen der Saison führt.

Dieses Konzept hat die Jury des European Design. Award überzeugt. Das freut die TGG­Leute um so mehr, als der Award in den zehn Jahren seines Bestehens «einen wahnsinnig guten Ruf» bekommen hat, wie Roland Stieger sagt. Die Jury besteht nicht nur aus Designern, sondern auch aus Verlegern, Journalisten und Akademikern. Der Preis wird im Rahmen einer Konferenz jedes Jahr in einem anderen Land vergeben, das unterstreicht laut Stieger auch seine Bedeutung als Plattform für den Austausch.

Während gestern die Gold­medaille gefeiert wurde, liegen die Motive für die Spielzeit 2017/18 bereit. Die neue Serie verfolgt die Idee der Reduktion weiter, vermittelt aber mit stilisierten Requisiten, Bühnenszenen und räumlich wirkenden Farbverläufen die Emotionen aus der Welt des Theaters.

Tagblatt, Beda Hanimann, 2017

125 Jahre Wildpark Peter und Pau ...

125 Jahre Wildpark Peter und Paul

 

2017 feiert der Wildpark seinen 125. Geburtstag. Aus diesem Anlass wurden verschiedene Projekte in die Wege geleitet. Dazu gehören umfangreiche bauliche Erneuerungen der Parkinfrastruktur sowie die Aktualisierung der Webseite.

Jubiläum Ziel dieser erfolgreich abgeschlossenen Massnahmen sind eine markante Verbesserungen bei der Tierhaltung und im betrieblichen Unterhalt, sowie eine Steigerung der Attraktivität für Besucherinnen und Besucher. Sozusagen als Schlusspunkt des Jubiläumsjahres ist nun in der VGS Verlagsgenossenschaft St.Gallen ein Jubiläumsbuch erschienen, welches neben allen diesjährigen Jubiläumsprojekten auch die wichtigsten Ereignisse der letzten 25 Jahre in Bild und Text festhält. Ermöglicht wurde diese Publikation durch einen grosszügigen Beitrag der Martin und Susanne Knechtli-Kradolfer Stiftung, St.Gallen. Verfasst wurde das Buch durch Toni Bürgin, Vorstandmitglied der Wildparkgesellschaft. Die Gestaltung erfolgte durch die renommierte St. Galler Firma TGG Hafen Senn Stieger. Das Buch kann im Wildpark-Restaurant, im Naturmuseum St.Gallen oder im Buchhandel für 25 Franken erworben werden. Im Anhang findet sich eine Zusammenstellung aller Jubiläumsprojekte 2017. Diese konnten dank der grosszügigen Unterstützung durch die öffentliche Hand, durch Stiftungen und Organisationen, Firmen und zahlreiche Privatpersonen finanziert werden. Dafür bedankt sich die Wildparkgesellschaft ganz herzlich. 125 Jahre nach der Gründung erstrahlt der Wildpark in neuen Glanz und zeigt sich gerüstet für die Herausforderungen der Zukunft.

St.Galler Nachrichten, 2017

Der Liebhaber der Schriften

Der Liebhaber der Schriften

 

Roland Stieger, Mitbegründer des St. Galler Grafikbüros TGG Hafen Senn Stieger, hat in acht Jahren eine Schrift entworfen. Im Interview erklärt er, warum das so lange gedauert hat und was Schriftenentwerfen mit Kochen zu tun hat.

Roland Stieger hat sich acht Jahre lang mit Alena beschäftigt, hat ihre Rundungen und Kurvenvermessen, ihre Enden abgeschrägt, ihren Kippgrad bestimmt. Alena – das ist Roland Stiegers neue Schrift. Ausgehend von einer Schrift, die sein Lehrer und Partner im Typographiebüro literabc, Jost Hochuli, einst in Holz geschnitten hatte, entwarf er eine volle Schriftfamilie, mit normaler, kursiver, fetter und extrafetter Schrift. 4000 Zeichen sind es am Ende geworden, mit denen man alles schreiben kann, was man in lateinischer Schrift schreiben könnte – inklusive der Buchstaben und Akzente, die Vietnamesen brauchen.

Im Interview mit unserer Zeitung erzählt Stieger, welche Schwierigkeiten er zu überwinden,welche Details er zu beachten hatte. Und warum er von all dem so begeistert ist, dass er sich am liebsten den ganzen Tag mit Schriften beschäftigen würde.

Tagblatt, Valeria Heintges, 2015

Am Anfang ist der Inhalt

Am Anfang ist der Inhalt

 

Visuelle Gestaltung TGG Hafen Senn Stieger, das St.Galler Büro für visuelle Gestaltung, entwirft seit 16 Jahren die optischen Auftritte von Kulturinstitutionen, Privatunternehmen und Städten. Für die Gestaltung des Typotron-Heftes Nr. 26 ist es nun vom New Yorker Type Directors Club ausgezeichnet worden. Ein Atelierbesuch.

Einige Schritte treppab hinter einem Nebeneingang liegen die Atelierräume. Aber es ist keine künstlich erleuchtete Kelleratmosphäre, die den Gast empfängt. Durch grosse Rundbogenfenster geht der Blick auf die Dächer der Stadt, die in der Tiefe liegt. Seit vier Jahren ist das Gestaltungsbüro TGG im Haus zum Scheffelstein einquartiert, einem als Vergnügungslokal erbauten Gebäude hoch über St.Gallen. Im talseitigen Annexbau war einst die Kegelbahn untergebracht, heute geht’s da nicht mehr nur in eine Richtung: Es ist eine Zelle der Kreativität entstanden, neben den Gestaltern von TGG arbeiten Architekten und Lichtgestalter hier.

Gestalten mit Schriften
Gute Ideen allerdings können überall entstehen. Jene für das neueste Typotron-Heft hatten Bernhard Senn, Roland Stieger und Dominik Hafen im überfüllten Zug. Stehend brachten sie ihre Gedanken in groben Entwürfen zu Papier. Das Ergebnis, Typotron-Heft Nr. 26 über die St. Galler Textilfirma Christian Fischbacher, wird demnächst dokumentiert sein in einem Katalog des New Yorker «Type Directors Club» und in einer Wanderausstellung durch die USA, Kanada, England, Frankreich, Deutschland, Japan, Mexiko, Russland und Spanien. Das Heft wurde unter 1800 Einsendungen aus aller Welt mit einem «Certificate of Typographic Excellence» ausgezeichnet.

Der Preis bedeutet den drei Gestaltern viel. Weil Auszeichnungen in ihrer Branche wichtige Referenzen sind, klar. Aber mehr noch, weil er bereits zum 55. Mal ausgeschrieben wurde und dadurch ein enormes Gewicht hat, und weil er der Schrift einen grossen Stellenwert beimisst. Das liegt ganz auf der Linie der drei St.Galler, denen die Schrift immer wichtig war. Der Textilentwerfer Senn, der Schriftsetzer Stieger und der Grafiker Hafen lernten sich im Weiterbildungskurs «Typografische Gestalter» an der Schule für Gestaltung kennen und beschlossen damals, ein Büro für visuelle Gestaltung zu eröffnen.

1993 zogen die drei in ein ehemaliges Ladenlokal unweit des St.Galler Hauptbahnhofs ein. «Wir hatten bald die Möglichkeit, den Katalog für eine Ausstellung von St.Galler Künstlern in Neuenburg zu gestalten, kurz darauf kam der Auftrag für den Katalog einer Roman-Signer-Ausstellung», erinnert sich Roland Stieger. Bald klopften das Stadttheater, der Konzertverein und die St.Galler Museen an. Inzwischen zeichnet TGG für die Erscheinungsbilder und Auftritte verschiedener Kulturinstitutionen, aber auch privater Unternehmen sowie von Städten verantwortlich. Weitere Tätigkeitsfelder sind die Gestaltung von Ausstellungen und Orientierungssysteme in öffentlichen Einrichtungen. Neu wird auch die Schriftgestaltung stärker zum Thema. Derzeit besucht Stieger zusammen mit einem TGG-Mitarbeiter den Schriftlehrgang an der Zürcher Hochschule der Künste.

Vom Inhalt ausgehen
Die drei, deren Büro mittlerweile zu einem Zehn-Personen­Betrieb angewachsen ist, verstehen sich spürbar und ticken auch bei unterschiedlichen Ausgangslagen gleich. Die berufliche Herkunft könne man nicht verleugnen, sagt Stieger, worauf Senn lachend einwendet: «Ich bin zwar Textilentwerfer, aber ich finde nicht, dass ich besonders ornamental bin.» «Aber Du bringst Offenheit im Denken mit», kontert Stieger. «Und Du kannst abschätzen, was drucktechnisch möglich ist», sagt Hafen zu diesem. So bringt jeder sein Spezialwissen ein für ein gemeinsames Ganzes. Eine klassische Arbeitsteilung gibt es nicht, man bespricht sich gemeinsam, auch die Mitarbeiter sind in den kreativen Prozess eingezogen. Ebenso wie Kunden und Partner. «Oft bringen auch Kunden Impulse», sagt Hafen, und Senn ergänzt: «Wir sind ja angewiesen auf andere, auf Drucker, auf Binder.» In St.Gallen, findet er, gebe es sehr gute Partner.

Das Gestaltungs-Credo des TGG-Trios ist es, vom Inhalt auszugehen. «Am Anfang wollen wir möglichst offen sein, die Form offenlassen und uns zuerst einmal in die Materie hineindenken. Und besonders wichtig: Eine gestalterische Idee muss auch funktionieren», sagt Stieger. Beim Fischbacher-Heft entstand so die Idee, den Rücken mit einem in Karton gestanzten Musterbügel zu versehen. An solchen wurden im Fachhandel die Stoffmuster präsentiert.

Die Bilder entstehen im Kopf
«Wir wollen Grafik machen, die nicht unmittelbar der Mode nachläuft: Zeitgemäss in der Gegenwart, aber mit langer Gültigkeit», sagt Stieger – und greift als Illustration zum Erstlingswerk für Neuenburg, das ihm noch immer Freude macht: «Dem sieht man die Zeit an, aber es funktioniert noch immer.» Manchmal sei man modern, ohne es bewusst angestrebt zu haben, bemerkt Senn.

Zwischen den Anfängen hinter den Geleisen und der Kegelbahn auf luftiger Höhe liegt eine rasante technische Entwicklung. Die ersten Arbeiten entstanden praktisch ohne Computer, Mail gab’s noch nicht. Das prägte, die drei arbeiten noch heute länger «ausserhalb des Computers», «kribseln und skizzieren von Hand», während die jüngeren Kollegen schneller auf dem Rechner arbeiteten. Der Computer berge die Gefahr, dass man zu schnell perfekt sein wolle und sich bei Sachen aufhalte, die in dieser Phase noch nicht entscheidend seien, finden die Firmengründer. Doch sie werten nicht, lassen unterschiedliche Arbeitshaltungen zu. Im Wissen, dass sowohl Handskizze wie Computeranimation letztlich nur Werkzeuge sind. «Die Bilder entstehen ja im Kopf», sagt Stieger.

Der Preis
Der Preis des New Yorker «Type Directors Club» gilt als weltweit renommierteste Auszeichnung für typographische Gestaltung. Bei der 55. Ausschreibung wurden 1800 Arbeiten aus 33 Ländern bewertet, 215 erhielten das «Certificate of Typographic Excellence». Die prämierten Arbeiten werden in einem Buch und einer Wanderausstellung präsentiert.

www.tdc.org
www.tgg.ch

Tagblatt, Beda Hanimann, 2009

Schönheit, wie sie im Buch steh ...

Schönheit, wie sie im Buch steht

 

Unter den «Schönsten Schweizer Büchern 2003» sind viele aus Ostschweizer Ateliers. Fachleute sprechen bereits von einer «St. Galler Schule»: Buchgestaltung hat hier eine besondere Qualität erreicht. Im Wettbewerb um «Die Schönsten Schweizer Bücher» wurden vier Ostschweizer Publikationen ausgezeichnet.

In Kloster-Schrift
TGG in St.Gallen: das sind Roland Stieger, Dominik Hafen und Bernhard Senn. Sie haben sich als Schüler Jost Hochulis an der Schule für Gestaltung kennen gelernt und 1993 zu einer Ateliergemeinschaft zusammengeschlossen. Zum sechsten Mal wurde eines ihrer Bücher ausgezeichnet: der zweite Band über die Stiftsbibliothek St.Gallen. «Klosterkultur und Aufklärung in der Fürstabtei St.Gallen» heisst das Buch von Hanspeter Marti (Verlag am Klosterhof).

Es ist in sämtlichen Details ein qualitativ sehr gut gedrucktes Textbuch, ein Resultat grosser Buchkunst und gleichzeitig eine hohe Leistung in der Kunst der Typografie: Die Schrift, welche die drei Gestalter für dieses Buch gewählt haben, haben sie lange in Fachzeitschriften gesucht: «Rialto», eine Schrift, die auf die Skriptorien des 15. Jahrhunderts verweist und von einem Venezia­ner und einem niederöster­reichischen Schriftengestalter vor fünf Jahren entwickelt wurde.

Die drei haben ein Buch ausgearbeitet, das sich gut auf die klösterlich-theologische Umgebung des Themas bezieht. Der Halbgewebeeinband in knalligem Orange und dunklem Braun sowie die Vorsatzseiten in starkem Blau zeugen vom Mut der Stiftsbibliothek, eine neue Linie in der Reihe der eher konservativ auftretenden eigenen Publikationen zu etablieren. Die Auszeichnungsfarbe Rot im Buchinnern überrascht, die Platzierung der leserlich bleibenden Fussnoten ist sehr schön gelöst, die Integration der Bilder fällt überzeugend aus, den Bildlegenden wird viel Raum gewährt.

Dass sie nicht nur historische Publikationen gestalten, beweisen die drei vom Atelier TGG mit ihren Arbeiten für das Theater St.Gallen, dessen Generalprogramm sie gestalterisch betreuen. Den gesamten grafischen Auftritt des Theaters bis hin zum Busplakat haben sie entwickelt. 1997 haben sie im Rahmen einer Ausstellung in St.Gallen ein aufwendiges Leporello mit Fotografien von Mäddel Fuchs von Arbeiten von Roswitha Merz gestaltet. Und für die «Daros Latin America Collection» haben sie den aufwendigen viersprachigen Bildband «La Mirada» realisiert.

Tagblatt, Michael Guggenheimer, 2003

Das Jahr in den Religionen

Das Jahr in den Religionen

 

Die Offene Kirche St. Leonhard hat einen interreligiösen Jahreskalender herausgegeben. Dieser macht auf katholische, reformierte, jüdische, islamische und buddhistische Festtage aufmerksam. Es geht nach Initiant Pfarrer Dr. Christoph Siegrist darum, den Frieden und den Dialog unter den Religionen und den religiösen Gemeinschaften in St.Gallen zu fördern.

Nach der Statistik wohnen in der Stadt St.Gallen 32 000 Römisch-Katholische, 20 000 Evangelische, 3922 Griechisch- bzw. serbisch-orthodoxe Katholiken, 4611 Muslime, 195 Lutheraner und 133 Christkatholiken. Dazu kommen 219, die Freikirchen angehören. Ausserdem wohnen hier 4399 aus der Kirche Ausgetretene und 2739 Konfessionslose. Für Siegrist sind die letzteren «moderne Menschen, die Religion suchen». Die Vielfalt zeigt, dass in der städtischen Kultur alle Religionen Platz haben müssen. Daher stellt die Herausgabe des Jahreskalenders für Siegrist nicht nur einen Beitrag an die Friedensarbeit, sondern auch einen an die Integration dar. Es wäre falsch, in St.Gallen vertretene Religionen einfach zu negieren. In diesem Sinne soll die «Offene Kirche St.Leonhard» offen sein auch für andere Religionen bzw. das Verständnis für andere Religionen fördern.

Zusammengestellt wurde der Festtagskalender von Vikar Christoph Menzi. Er hat das Nebeneinander der religiösen Gemeinschaften sichtbar gemacht und sicher das Interesse für andere Religionen geweckt. Die gekonnte grafische Umsetzung erfolgte durch Roland Stieger, TGG Hafen Senn Stieger Visuelle Kommunikation, St.Gallen. Neben dem Kalender werden die einzelnen Feste in Stichworten auch kurz beschrieben.

Aufschlussreich ist allein schon die Darstellung der Feste in den verschiedenen christlichen Kirchen. Dazu kommen die jüdischen, islamischen und buddhistischen Feste, die alle mit grosser Sorgfalt zusammengestellt wurden. Interessant sind die Ballungen von Festen aus den verschiedensten Religionen um Ostern (April), um Pfingsten (Juni) und um Weihnachten, zu der sich jüdische und buddhistische Lichterfeste und die Feste zum Schluss des Fastenmonats des Islams gesellen. Erhältlich ist der Interreligiöse Jahreskalender 2000 bei der Offenen Kirche St.Leonhard, Büchelstrasse 15, 9000 St.Gallen, Telefon und Fax 071/278 49 69.

St.Galler Nachrichten, 2000

Ein Trio singt den Gestaltungska ...

Ein Trio singt den Gestaltungskanon

 

Förderpreis der Stadt St.Gallen für Büro TGG Hafen Senn Stieger

Programme fürs Stadttheater, Plakate und Kataloge für Natur- und Kunstmuseum: TGG visualisiert den Auftritt grosser Kulturinstitutionen – vorzüglich, wie der Förderpreis besagt.

Ein Büro erhält den Förderpreis? Dominik Hafen (geb. 1967), Bernhard Senn (1965) und Roland Stieger (1970), die unter der Bezeichnung TGG (Typo Graphische Gestaltung) Hafen Senn Stieger zusammenarbeiten, waren selber «erstaunt, dass künstlerische Preise auch im Angewandten Bereich vergeben werden». Das echte Erstaunen zeugt vom Selbstverständnis der Gestalter als Transporteure der Botschaft ihrer Auftraggeber, einem Selbstverständnis, das sie innert Kürze an die Spitze der regionalen Kulturwerbung gebracht hat. Theater und Kunstmuseum nehmen ihre Dienste ebenso in Anspruch wie das Architekturforum und die Stiftsbibliothek, und nicht nur das St.Galler, sondern auch das Naturmuseum des Kantons Thurgau vertraut ihnen den Auftritt in der Öffentlichkeit an.

Mit äusserster Sorgfalt, wirkungsvoll, aber nie marktschreierisch-schrill wirbt TGG für die Kultur – eigenständig, künstlerisch eben. Das blieb dem Stadtrat nicht verborgen. In seiner Begründung des Förderpreises lobt er den «Idealismus, typografische Erzeugnisse zu gestalten, die Bestand haben und sich nicht nach momentanen Geschmackstendenzen ausrichten», und freut sich, dass das «ernsthafte Arbeiten» eidgenössische Anerkennung findet. Drei Publikationen wurden vom EDI bereits in die Liste der «Schönsten Bücher des Jahres» aufgenommen, darunter das 1998 erschienene Schepenese-Buch.

Glücksfälle und Geduld
Im Atelier hinter den Westgeleisen des Bahnhofs, einem lichtdurchfluteten, viereinhalb Meter hohen ehemaligen Ladenraum an der Paradiesstrasse, kommen die Gründe für den schnellen Aufstieg rasch auf den Tisch. TGG ist der Glücksfall einer «Band», die von der ersten Probe an funktioniert.

Der gelernte Grafiker Hafen, der Textilentwerfer Senn und der Schriftsetzer Stieger lernten sich im Weiterbildungskurs «Typografische Gestalter» an der Schule für Gestaltung kennen ­– als begeisterte Schüler von Jost Hochuli und Max Koller. «Früh merkten wir, dass wir die gleiche Sprache sprechen und diese entwickeln wollen.» 1993 gründeten sie ihr Büro, um in der Freizeit gemeinsam Gestaltungsaufgaben zu lösen, die erste hiess «Sculpture», eine Präsentation von St Galler Künstlern in Neuchâtel, noch im gleichen Jahr folgte «Roman Signer. Skulptur» (Oktagon-Verlag). Für die «schönen Aufträge» sorgte – zweiter Glücksfall – Bernhard Senns 50-Prozent-Anstellung als technischer Assistent im Naturmuseum sowie Hilfskraft im Kunstmuseum. Kontinuierlich kamen neue Aufgaben hinzu, aus dem Hobby wurde Beruf. Ohne dass man sich von den ursprünglichen Idealen entfernte und die Gelassenheit verlor. Das – mittlerweile durch eine Praktikantin verstärkte – Trio arbeitet in der Nische des Kulturbereichs. Man sei «nicht abgeneigt», Industrie oder Dienstleistungen zu bewerben, doch «in der Produktewerbung stünden uns unsere Ansprüche im Weg».

Die Ansprüche. Sie messen sich daran, eine Handschrift der Gestaltung zu finden, die jener des Künstlers entspricht, und daran, das Bild eines Braunbären so lange zu verändern, bis auch der Experte den «Höhlenbär» erkennt oder in der Entwicklung einer Schrift, die «genau das vorgestellte Klima beschreibt» – für eine neue Buchreihe der Stiftsbibliothek wurden alte Bibeln studiert und der mittelalterliche Gestaltungskanon aufgenommen.

Stets Mittel zum Zweck
Der Computer ist stets «Werk-, aber nie Spielzeug» – auch wenn es mittlerweile kein «Ur-Mac» vom Typ Classic mehr ist. Hafen, Senn und Stieger sind von dem sachlichen Stil der «Ulmer Schule» geprägt und fühlen sich Hochulis Haltung verpflichtet: «Typografie ist immer Transportmittel von Sprache und Inhalt – nie Selbstzweck.» Doch Dogmen lehnen sie ebenso ab wie Trends («da müssten wir ja halbjährlich den Stil wechseln»). Wo Hochuli mit dem «geübten Leser» rechnen konnte, berücksichtigen sie das veränderte Leseverhalten. Dem «schnelleren Leser» wird im Schepenese-Buch (mit freigestellten Bildern in der unteren Seitenhälfte) oder im Katalog für das thurgauische Natur­ und Archäologiemuseum eine massgeschneiderte, mithin filmische «Ebene» zugesprochen.

Mit dem Preisgeld können sich die Gestalter einen Luxus leisten. Den Luxus nämlich, im Frühjahr gemeinsam einen mehrtägigen Fachkongress in Berlin zu besuchen. «Ferien» als Arbeit, und in aller Bescheidenheit.

Bücherlust
«Gestalten, dass es selbstverständlich wirkt, das ist die Kunst» Der Satz aus dem Mund von Roland Stieger, einem Drittel von TGG, könnte auch vom Lehrer der preisgekrönten typografischen Gestalter stammen. Jost Hochuli zeigt als Buchgestalter und Verlagsverantwortlicher in St Gallen seit Jahrzehnten, was ein gutes, gepflegtes Buch ausmacht Über «Bücherlust und Bücher machen» spricht er am Montag, 6. März, 20 Uhr, im öffentlichen Stadthausvortrag im Haus Gallusstrasse 14.

Tagblatt, Marcel Elsener, 2000

Wege moderner Kulturvermittlung

Wege moderner Kulturvermittlung

 

Die Stadt St.Gallen hat ihren diesjährigen Anerkennungspreis und die diesjährigen Förderungspreise für kulturelles Schaffen übergeben. Wie Stadtammann Dr. Heinz Christen selbst bemerkte, waren unter den Preisträgerinnen und Preisträgern noch nie so viele Personen, die ausschliesslich oder zu einem wesentlichen Teil in der Kulturvermittlung tätig sind. Das werde wahrscheinlich nicht zufällig sein…

Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger bzw. Repräsentanten der ausgezeichneten Organisationen: Niklaus Meyer, Walter Späti, Katharina Hildebrand, Daniel Rüesch (alle Open Opera), Suzy Bertenyi, Hector Zemma (beide Gambrinus Concert), Daniel Manser, Manuel Stahlberger (Stahli und Mölä), Roland Stieger, Bernhard Senn und Dominik Hafen (TGG).

Die Preisträger
Der diesjährige Anerkennungspreis von 10 000 Franken geht an den Verein Open Opera für «das seit 1989 jährlich organisierte Theater-Festival «Open Opera», die Konzipierung und Durchführung vielfältiger und teils unkonventioneller Kulturanlässe und die dadurch geleistete wesentliche Bereicherung des Kulturlebens der Stadt St.Gallen».

Ein Förderungspreis im Betrag von 5000 Franken geht an Suzy Bertényi und Hector «Gato» Zemma vom «Gambrinus Concert» für «die Durchführung von Konzerten, die in ihrer Art einmalig sind und nicht nur Weltstars aus der Jazzszene nach St.Gallen bringen, sondern auch jungen Musikerinnen und Musikern aus der Region eine Gelegenheit bieten, in einer stimmigen Atmosphäre aufzutreten».

Ein weiterer Preisträger ist Daniel Manser für «sein konsequentes Schaffen als Zeichner, Maler und Plastiker, das systematisch um ein abgegrenztes Thema kreist und sich dennoch durch grosse Experimentierfreudigkeit auszeichnet».

«Mola und Stahli», alias Moritz Wittensöldner und Manuel Stahlberger, bekamen den Preis «als Kabarettisten, die mit ideenreichen, witzigen und respektlosen Texten, unerschöpflicher musikalischer und szenischer Vielfalt und professioneller Darbietung die sanktgallische und schweizerische Kabaretttradition fortsetzen und mit neuen Akzenten bereichern.» Schliesslich wurde ein Förderungspreis der «TGG» (Typo­grafische Gestaltung) von Dominik Hafen, Bernhard Senn und Roland Steiger zuerkannt für «ihre gestalterisch und handwerklich hervorragenden Arbeiten im Bereich von Typografie und Grafik.»

St.Galler Nachrichten, Franz Weite, 1999